Braila (geb. 1931) und Ioan (geb. 1937) Constantin, Bukarest

Ioan Constantin:

Untergebracht wurden wir in den Ställen der Kolchosen. Wir bekamen Lebensmittelrationen: 100 Gramm Mehl, 100 Gramm Maismehl pro Person pro Tag, keine anderen Lebensmittel. Wir vermischten das Mehl mit Wasser, und das wurde dann gemacht wie eine Art Fladen. Aus dem Maismehl machte man so einen Maisbrei.

Wir waren ungewaschen, ohne medizinische Hilfe, ohne Seife. Der Schmutz wurde braun auf der Haut, es kamen die Läuse, und diese Läuse haben den Thypus gebracht.

Auch meine Mutter ist an Typhus erkrankt. Im September 1942 wurden wir deportiert. Meine Mutter hat es nur bis Januar 1943 ausgehalten.

Die während der Nacht an Thyphus gestorben waren, wurden in einen Wagen geworfen. Etwas weiter weg waren Laufgräben, die von den Kämpfen übrig geblieben waren. Sie wurden in die Laufgräben geworfen und dann mit Erde bedeckt.

Morgens kamen die Gendarmen. Diejenigen, die gesünder waren, wurden mit Knüppeln heraus und zur Arbeit getrieben.

Wir, die die kleineren Kinder, blieben in den Ställen, wo wir untergebracht waren in den Kolchosen. Wir mussten die leeren Säcke bringen, damit sie verladen wurden, und die Ställe reinigen.

Braila Constantin:

Am 9. September 1942, um 6 Uhr morgens, sind sie in die Häuser gekommen: die Polizei, die Gendarmerie, und Angestellte aus dem Rathaus von Alexandria. Die Gendarmen haben uns rausgeworfen. Nur das, was wir auf den Rücken nehmen konnten, durften wir mitnehmen.

Die vom Rathaus stellten ein Protokoll auf über die Güter, die dort zurückblieben. Wir hatten zwei Häuser und was dazu gehörte: Betten, Küche, alles was man hat. Aber als wir zurückgekehrt sind … Ich war der Älteste und ich war 13 Jahre alt. Niemand hatte die Möglichkeit, die Besitztümer zurückzuverlangen.

Innerhalb des Zigeunerdorfes gibt es verschiedene Zünfte. Wie zum Beispiel die Musiker, die waren unter sich, die Kesselschmiede, die wanderten von einer Ortschaft in eine andere. Dann gab es die Bärenzigeuner. Die stellten Gartenwerkzeuge her. Sie hatten auch Bären, die wurden abgerichtet und sie tanzten auf Jahrmärkten usw.

Ich war in der Schule in der dritten Klasse und sollte dann in die vierte gehen. Wir waren nicht Nomaden. Unsere Großeltern machten Kerzenleuchter und Schmuck, z. B. für Kirchen. Aber sie mussten mit dem Wagen herumziehen, um die Leuchter zu verkaufen. Und deshalb wurden wir auch deportiert.

Wir wurden am 9. September gefangen, und am 1. Oktober hat man uns in Transnistrien aus den Waggons ausgeladen.

Dort waren vier Rinderställe. Ohne Betten, ohne Licht, ohne alles.

Dort haben wir begonnen zu arbeiten, erst bei den Kartoffeln, später haben wir den Mais geerntet. Dann wurden wir in ein Dorf gebracht, und je zwei bis drei Familien in die Häuser der Russen gestreckt. Die wurden herausgeholt und mussten woandershin.

Im April 1943 kamen wir zu einer Farm. Wir Kinder bekamen einen Hacken mit so einem Blechteil vorne dran. Und so gingen wir durch den Weizen und jäteten Unkraut. Auch dort lebten wir in Ställen.

Als Ration bekamen wir 100 Gramm Hirsemehl. Wir brachten noch Maiskörner vom Feld.

Dort sind wir bis zum Frühling 1944 geblieben. Dann sind wir zu Fuß 90 Kilometer nach Tiraspol gegangen. Ohne Essen, ohne alles, ohne Schuhzeug. Von dort sind wir auf dem Dach eines Zuges nach Rumänien gefahren.

In unserer Gemeinschaft hier ist eine Frau, sie ist 80 Jahre alt. Sie war auch in Transnistrien. Damit sie eine Pension bekommt, hat sie auch die Urkunden eingereicht. Der Antrag wurde zurückgewiesen.

Seit zwei Monaten ist sie gelähmt. Das sind die Umstände, unter denen sie lebt, und sie erhält gar keine Unterstützung. Die staatlichen Institutionen machen oft einen Unterschied zwischen Rumänen und Zigeunern!