Projektbeschreibung

Während des Zweiten Weltkrieges sind rund 25.000 Roma von der faschistischen rumänischen Regierung in das damalige rumänische Besatzungsgebiet in der Region Odessa deportiert worden. Das Gebiet zwischen den Flüssen Dnestr und Bug wurde von den Rumänen als „Transnistrien“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem heute von der Republik Moldau abtrünnigen politischen Gebilde am linken Dnestr-Ufer).

Diese Menschen wurden deportiert, weil sie nicht in das herrschende Bild der rumänischen Nation passten, weil sie als politisch und sozial „unerwünscht“ galten. Über die Hälfte der Deportierten ist zwischen 1942 und 1944 gestorben – an Hunger, Kälte, mangelnder medizinischer Versorgung.

Mit unserem Projekt wollen wir dazu beitragen, die Erinnerung an diesen – von der Mehrheitsgesellschaft – fast vergessenen  Genozid wachzuhalten. Dazu haben wir in den Jahren 2015-2017 ein Recherche- und Exkursionsprojekt durchgeführt, an dessen Ende eine Wanderausstellung erarbeitet wurde. Sie ist auf dieser Homepage zu besichtigen.

In einem weiteren Schritt gehen wir im Jahr 2019/2020 daran, Angehörige der Deportierten – die zweite und dritte Generation – zu identifizieren und zu motivieren, über die Geschichte ihrer Vorfahren öffentlich zu sprechen.

Gemeinsam mit ihnen werden im Laufe eines mehrtägigen Seminar Methoden herausgearbeitet, wie ihr Wissen um die familiäre Verfolgungsgeschichte (aber auch der Geschichte des Widerstandes) in den Kontext der gesamtgesellschaftlichen Erinnerung an den Genozid eingebettet und der Mehrheitsgesellschaft vermittelt werden kann

Durch Vernetzung mit relevanten Akteuren im Bildungsbereich und weiteren Multiplikatoren sollen die Kinder und Enkel der Deportierten, aber auch interessierte Engagierte von Roma-NGOs, eine Basis erhalten, die es ihnen erlaubt, einen aktiven Part in der Vermittlung des Verfolgungsgeschehens und seiner bis heute spürbaren Nachwirkungen für die Roma Rumäniens gegenüber der Mehrheitsgesellschaft wahrzunehmen.

Ein Instrument hierzu wird die bereits vorhandene Ausstellung sein. Wir beabsichtigen bis Frühsommer 2020 die Durchführung von mindestens fünf Ausstellungseröffnungen in verschiedenen Städten Rumäniens – wobei die Angehörigen einen zentralen Part einnehmen werden. Jede Eröffnung wird begleitet von einem Workshop für LehrerInnen und MitarbeiterInnen menschenrechtlich engagierter NGOs.

 

Der Ansatz, die Angehörigen der zweiten und dritten Generation zu motivieren, zu Akteuren der eigenen Erinnerungspolitik gegenüber der Mehrheitsgesellschaft zu werden, wird parallel dazu in einem gleichzeitig in der Ukraine betriebenen Projekt durchgeführt.