Projektbeschreibung

Projektzeitraum: August 2015 bis Januar 2017

Das Projekt zielt darauf, an das Schicksal der Roma in jenen Regionen zu erinnern, die während des Zweiten Weltkrieges rumänisch beherrscht waren. Die Erinnerung an den Völkermord soll soziales Engagement gegen rassistische und antiziganistische Diskriminierung befördern. Gemeinsam mit Organisationen der Roma-Minderheit und jungen Roma aus Deutschland, der Ukraine, Moldawien und Rumänien werden wir Überlebende des Völkermords befragen und Erinnerungsstätten in diesen vier Ländern aufsuchen. Zu unserem Programm gehören auch Interviews mit Experten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft sowie Begegnungen mit Journalisten.

Zu diesem Zweck werden wir im Frühjahr 2016 eine zweiwöchige Fahrt organisieren. Teilnehmer sind acht junge Roma, jeweils zwei aus Deutschland, Rumänien, Moldawien und der Ukraine. Die Zeitzeugen und anderen Gesprächspartner sowie Erinnerungsstätten, die wir besichtigen wollen, haben wir bereits während einer Recherche im Spätsommer 2015 ausfindig gemacht. Die Reise führt uns von Bukarest über Chisinau bis nach Odessa. Bei mehreren Gelegenheiten in diesen Ländern werden wir öffentliche Veranstaltungen durchführen, um über das Projekt zu informieren und sowohl die historischen Fakten als auch die Herausforderungen für die Gedenk- und Erinnerungsarbeit zu diskutieren.

Ein „materielles” Ergebnis des Projektes wird eine mehrsprachige Ausstellung sein, die sich sowohl an die Mehrheitsgesellschaften als auch die Roma-Gemeinden wendet, und die außer den historischen Ereignissen auch die antiziganistischen Mechanismen anspricht, die zum Völkermord geführt haben. Die Ausstellung wird die Frage aufwerfen, inwieweit diese Mechanismen heute immer noch wirken, und Beispiele aufzeigen, wie sie bekämpft werden können. Wir werden das Projekt videographisch begleiten und eine Videodokumentation darüber produzieren, die ebenso wie eine Broschüre Teil der Ausstellung wird. Die Ausstellung wird in Bukarest, Chisinau, Odessa und Berlin gezeigt. Jede Vernissage wird begleitet von einer öffentlichen Veranstaltung, die sich dem Projektthema widmet. Die Ausstellung wird danach auch im Internet zugänglich sein.

Ein „nichtmaterielles“ Ergebnis des Projektes besteht darin, die gemeinsame Annäherung an die Geschichte und den gegenseitigen Austausch über heutige diskriminierende Erfahrungen dafür zu nutzen, die Fähigkeiten der jungen Roma zu Selbstorganisation zu stärken. Sie sollen durch die Projektarbeit besser in der Lage sein, sich in das soziale und politische Leben der Mehrheitsgesellschaften einzubringen. In Deutschland soll die Ausstellung zudem einen Aspekt der Naziverbrechen beleuchten, der dort weitgehend vergessen ist.