G.S. und E. B., Ukraine…

 

…beschreiben das Geschichtsbewusstsein unter ukrainischen Jugendlichen – Roma wie Nicht-Roma – als extrem gering: „Sie wissen eigentlich überhaupt nichts über diese Geschichte“.

G.S. hat 12 seiner Kommilitonen gebeten, ihre Verwandten zu fragen, was sie über den Völkermord an Roma wüssten. Alle hätten geantwortet, dass die Verwandten wohl das eine oder andere gehört hätten, in der Regel über die Vernichtung von Juden und „Zigeunern“ in Auschwitz. Nur ein Kommilitone habe gesagt, dass seine Kinder von der Deportation rumänischer Roma wüssten, weil die Familie damals in einem Dorf wohnte, in das die Roma gebracht worden waren.

 G.S. Verwandtschaft hat nur wenige Erinnerungen an die Kriegszeit, die wenigen noch Lebenden waren damals Kinder und können sich nur rudimentär daran erinnern, dass rumänische Roma von Rumänen und Deutschen misshandelt worden sind.

 Außerdem gehen G. S. und E. B.dem Begriff “Genozid” nach und stellen verschiedene Beschlüsse bzw. Konventionen der Vereinten Nationen vor. Seit 1951 stelle der Begriff „Genozid“ einen internationalen Rechtsbegriff dar.

Völkermord wird darin definiert (wir zitieren hier aus einer deutschen Quelle) als

„eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

  1. Tötung von Mitgliedern der Gruppe;
  2. Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;
  3. vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;
  4. Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind;
  5. gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.“

(www.voelkermordkonvention.de)

G.S. und E. B. setzen sich mit den verschiedenen Methoden der Vernichtung insbesondere durch deutsche Einsatzkommandos und Sondergruppen auseinander, die gezielt Roma gesucht haben, um sie zu erschießen. Ein weiteres Instrument des Völkermords war die Deportation von Roma und Juden in Vernichtungslager.

In ihrer Heimatregion, den damals rumänisch besetzten Gebieten rund um Odessa und der Nikolaev-Region, damals „Transnistrien“ genannt, wurde eine weitere Form des Genozids durchgeführt: Die dorthin deportierten Roma starben vor allem an Hunger, Krankheit und Unterversorgung.

Verlässliche Anzahlen über die Gesamtopfer des Genozids an Roma gebe es nicht – Historiker sprächen von 400.000 bis 2,5 Millionen.

Die Motive für den Völkermord verorten die beiden in der Selbstbetrachtung der deutschen Faschisten als einzige wirkliche Arier in Europa, die sich anderen „Rassen“ überlegen gefühlt haben – was aber auch rein faktisch Unsinn sei, weil die Roma, wie die „Arier“, ihren Ursprung ebenfalls im indogermanischen Sprachraum hätten.

Eine weitere Theorie der damaligen Zeit sei gewesen, dass Roma „asoziale Elemente“ darstellten. Auch in Rumänien seien Roma als Gefahr für die „Reinheit“ der Nation diffamiert worden.