Genozid an Roma in der Ukraine (aktuelles Projekt)

Das Projekt thematisiert den Genozid an Roma durch deutsche Soldaten bzw. Polizisten während des Zweiten Weltkrieges in der besetzten Ukraine. Dabei stehen zum einen Fragen nach den Motiven und den Vorgehensweisen der Täter im Vordergrund, ebenso wie Wahrnehmungen, Reaktionen und Verhaltensoptionen der Opfergruppe sowie der ortsansässigen ukrainischen (Nicht-Roma) Bevölkerung.

Sowohl in der ukrainischen als auch der deutschen Gesellschaft ist die Kenntnis vom Genozid an ukrainischen (sowjetischen) Roma kaum präsent. In Deutschland ist zwar mittlerweile die Verfolgung deutscher Sinti und Roma während des Zweiten Weltkrieges aus dem Vergessen geholt worden, aber über die Geschehnisse in der besetzten Sowjetunion ist kaum etwas bekannt. Wenn überhaupt, wird angenommen, dort seien lediglich Juden systematisch ermordet worden, Roma aber nur „zufälligerweise“. Damit fehlt in der deutschen Erinnerungskultur ein zentraler Aspekt des NS-Genozids.
In der Ukraine wirkt bis heute die sowjetische Leiterzählung weiter, die zivile Opfer meist als „friedliche sowjetische Bürger“ zusammengefasst hat, ohne auf die Besonderheiten der verschiedenen Opfergruppen einzugehen. Während, vor allem durch die Aufklärungsarbeit jüdischer Akteure, der Holocaust an Juden zwar bekannt ist, haben nur wenige Ukrainer Kenntnis davon, dass auch Angehörige der Roma-Minderheit Opfer eines Völkermordes geworden sind.

Es werden Zeitzeugeninterviews sowohl mit Roma als auch Nicht-Roma geführt, die Überlebende oder Zeugen von Erschießungen durch deutsche Soldaten waren, diesen mit knapper Not entgehen konnten oder als Hinterbliebene von Erinnerungen ihrer Eltern berichten können.

Besonderer Kern des Projekts ist die Einbeziehung von Teilnehmern aus der Ukraine und Deutschland, unter denen sowohl Roma als auch Nicht-Roma sind. Sie reisen zehn Tage durch die Ukraine und begegnen Überlebenden bzw. Zeitzeugen, aber auch Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich der Erinnerung widmen, aber auch gegen Diskriminierung kämpfen (insb. Roma-Selbstorganisationen).
Zum Thema des Projekts gehört dabei neben den historischen Informationen und Biographien der Zeitzeugen/Überlebenden auch die Thematisierung rassistischer Diskriminierung heute, wobei sowohl die Situation in der Ukraine als auch in Deutschland und der EU reflektiert werden soll.

Die Ergebnispräsentation erfolgt sowohl durch die Veröffentlichung von Datenblättern und Kurzvideos zu einzelnen Themen bzw. Personen hier auf den Seiten als auch in Form einer Wanderausstellung, die kostenlos ausgeliehen werden kann.

 

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