Hintergrund

Deutschsprachige Literatur zum Völkermord an den Roma in der besetzten Ukraine ist kaum vorhanden. Es gibt Überblicksaufsätze über den Ablauf des Genozids in der Sowjetunion, die auch die Ukraine streifen. Hierzu empfehlen wir die Studie, die Martin Holler für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma verfasst hat.

Auf Ukrainisch empfehlen wir die Seite des Kiewer Zentrums für Holocaustforschung.

 

Zentrale Informationen über den Völkermord an deutschen Sinti und Roma finden sich hier.

Ein mit Mitteln des österreichischen Unterrichtsmuseums herausgegebenes Handbuch für Lehrende vermittelt ebenfalls grundlegende Informationen über das “Schicksal der europäischen Roma und Sinti während des Holocaust”.

Hier gibt es Informationen zum Setting der Interviews

 

Zum Sprachgebrauch: Warum wir (vorerst) von zygany schreiben

 

Alle Zeitzeug*innen, mit denen wir gesprochen haben, verwenden den Begriff zygan (Singular) bzw. zygany (Plural) (ціган bzw. цігані auf Ukrainisch, Циган bzw. Цигани auf Russisch). Anders als der phonetisch ähnliche Begriff „Zigeuner“, bei dem es sich im Deutschen um eine abwertende Fremdzuschreibung handelt, enthält der Begriff zygan/zygany keine solche negative Konnotation.

 

Das haben uns jedenfalls sämtliche bisherigen Interviewpartner*innen und auch mehrere Dolmetscher*innen, Linguist*innen usw. bestätigt.

Es wäre schon deswegen verfehlt, zygan/zygany mit „Zigeuner“ zu übersetzen, außer in den Fällen, in denen es sich ausdrücklich um ein Zitat von deutschen Verfolgern handelt.

Eine Übersetzung mit Romnij/Romnija/Rom/Roma hatten wir erst ins Auge gefasst, dann aber doch davon Abstand genommen. Diese Begriffe existieren zwar auch im Ukrainischen bzw. Russischen (Ром/Рома), werden dort aber nur von sehr wenigen Akteur*innen auch unter Rom*nija selbst genutzt. Soweit wir sie verstanden haben, wollen sie mit dieser bewusst von der Mehrheit (auch der Rom*nija) abgegrenzten Sprachwahl einen Prozess der Selbstidentifizierung und Stärkung der Rom*nija begleiten. Vor diesem Hintergrund schien es uns nicht adäquat, quasi „eigenmmächtig“ aus dem zygan der Zeitzeug*innen „unser“ Rom*nija zu machen.

Fürs erste haben wir uns deswegen für die simple Transliteration des Begriffs entschieden. Wir werden dieses Thema, das ja spätestens mit der Produktion der Ausstellung virulent wird, im Rahmen der anstehenden Begegnungen auch mit ukrainischen Rom*nija weiter vertiefen und danach gemeinsam entscheiden, welche Übersetzung am ehesten geeignet ist.