Hintergrund

Völkermord mit rassistischem Charakter

Daten und Fakten zu den Deportationen nach Transnistrien

Während des Zweiten Weltkrieges hat Rumänien, das damals mit Deutschland verbündet war, fast 150.000 jüdische BürgerInnen und mindestens 25.000 Roma deportiert.

Rumänien sollte „ethnisch gesäubert“ werden. Die Deportierten wurden in das sogenannte Transnistrien gebracht, rund um die Hafenstadt Odessa. Die Lebensbedingungen dort waren mörderisch. Die Menschen wurden nicht versorgt, sondern sich selbst überlassen. Sie hatten keine feste Behausung, kein Heizmaterial, keine Lebensmittelversorgung, keine Winterbekleidung, keine Medikamente gegen Typhus und sie hatten auch nicht die Möglichkeit, durch Arbeit den Lebensunterhalt sicherzustellen. Die Todesrate lag zwischen der Hälfte und zwei Dritteln.

Während die deutschen Einsatzkommandos und die ansässigen „Volksdeutschen“ vor allem im Sommer 1941 Zehntausende Morden an Juden begingen, lag die Deportation und die mörderische Behandlung der Roma im Verantwortungsbereich der rumänischen Behörden.

Zum Kreis der deportierten Roma gehörten alle erfassten nomadisierenden Roma sowie jene Sesshaften, die aufgrund vager und willkürlicher Kriterien als „gefährlich“ bzw. „schädlich“ galten. Dabei überlappten sich Vorstellungen von politisch-sozial erwünschter Lebensweise mit biologistisch-rassistischen Vorstellungen, die größtenteils aus dem Deutschen Reich importiert worden waren. Die Deportationen erfolgten familienweise, die Hälfte der Deportierten waren Kinder.

Die Erinnerung an diesen Völkermord ist in Rumänien noch sehr gering ausgeprägt. Erst im Jahr 2004 gestand der rumänische Staat seine Verantwortung für den Völkermord ein, und auch Wissenschaftler haben sich der Aufarbeitung dieser Geschichte lange entzogen. Mittlerweile gibt es aber eine, wenn auch übersichtliche, Forschungstätigkeit. In der kollektiven Erinnerung spielt das Geschehen aber kaum eine Rolle.

In Moldau – das damals als Bessarabien Teil Rumäniens war und ebenfalls zahlreiche Einwohner durch die Deportationen verloren hatte – steht es sowohl um Forschungslage als auch kollektive Erinnerung noch schlechter. Ähnlich ist es in der Ukraine, zu dem das damalige Transnistrien heute gehört.

Hier eine ausführlichere Zusammenfassung, in der wir die wichtigsten Daten, Fakten und Zusammenhänge des historischen Hintergrundes gebündelt haben.

Wir nennen bzw. verlinken – soweit das möglich und uns gestattet ist – hier eine Auswahl jener Arbeiten, die auch für unser Projekt relevant sind.

DEUTSCHES REICH:

Der folgende Text ist ein Manuskript eines Vortrages eines MItarbeiters unseres
Bildungswerkes auf einer Veranstaltung am 8. Oktober 2015 in Sibiu/Rumänien

RUMÄNIEN:

Im Jahr 2004 veröffentlichte die Internationale Kommission zur Erforschung des Holocaust in Rumänien ihren “Abschlussbericht”

hier auf rumänisch

und hier der Abschnitt zur Deportation der Roma:

UKRAINE:

Das Roma-Institut des Staatsarchivs im Bezirk Odessa (Institut für ethnische Forschungen) Roma in Transnistria von 1942-44 (pdf ukrainisch).