Oma Nina, geb. 1926, am Bug

Am Fluss wurde eine Wache aufgestellt. Die Rumänen und Deutschen teilten sich auf: rechtes Ufer Rumänen, linkes Ufer Deutsche.

Als die Zigeuner kamen, verfügten die Rumänen, dass die Dorfbewohner ihre Häuser verlassen mussten. Die Zigeuner waren reich, sie tauschten Ohrringe und Ringe gegen Brot und Mehl. Die Zigeuner suchten Brennmaterial (u.a. Zweige von Kirschbäumen), boten es den Dorfbewohnern an, tanzten, molken Kühe und baten dafür um Lebensmittel. Es blieben aber nur sehr wenige am Leben. Die Rumänen verlangten Hühner und Kartoffeln für ihre Gendarmen. Hier waren ungefähr 200 Zigeuner. Ich weiß noch genau, in welchen Straßen und Häusern sie gelebt haben.

Diebstähle oder Prügeleien gab es von ihrer Seite nicht. Aber niemand hat ihnen geholfen: Nicht die Deutschen, nicht die Rumänen.

Im Winter tauschen sie ihre Kleidung gegen Brot und Mehl ein. Sie haben die Häuser zerlegt und das Holz verbrannt, um zu heizen. Ich habe ihnen Essen gebracht, damit sie unser Haus nicht verbrennen; die Sommerküche verbrannten sie aber trotzdem.

Die Rumänen gaben den Zigeunern nichts zu essen, sie wurden aber auch nicht zum Arbeiten gezwungen. Sie saßen im Dorf wie in einem Käfig; kleine Kinder trugen Brennmaterial aus und baten um Brot. Alle bettelten um Lebensmittel. Sie lebten vor sich hin und starben: junge, schöne Männer waren darunter…Ihre Leichen wurden ins Wasser geworfen, einige wurden auf dem Friedhof beerdigt.

Einen Arzt gab es nicht. Die Dorfbewohner gingen fischen, das hat viele vor dem Hunger gerettet. Aber ich weiß nicht, ob die Zigeuner überhaupt an den Fluss durften.

Ich weiß nicht mehr, wann die Zigeuner wieder weggegangen sind. Jedenfalls war das noch unter der rumänischen Herrschaft. Es waren nicht mehr viele.