Unsere Arbeit

Das Projekt besteht im Wesentlichen aus drei Phasen:

In einer ersten Recherchephase arbeiten wir uns vertieft in den historischen Hintergrund ein und besuchen möglichst viele Zeitzeugen und Überlebende, mit denen Interviews durchgeführt werden.

In einer zweiten Phase (Exkursionsphase) begegnen sich Teilnehmer aus der Ukraine und Deutschland, unter denen sowohl Roma als auch Nicht-Roma sind. Sie reisen zehn Tage durch die Ukraine und treffen auf Überlebenden bzw. Zeitzeugen, aber auch Wissenschaftler und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich der Erinnerung widmen, aber auch gegen Diskriminierung kämpfen (insb. Roma-Selbstorganisationen). Zu dieser Phase gehören auch Workshops zur Vorbereitung sowie zur Auswertung.

Die dritte Phase (Präsentationsphase) besteht in der Produktion der Ausstellung und der Internetpräsenz sowie der Durchführung von mindestens vier Veranstaltungen (davon mindestens eine in Berlin), auf der die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden.

 

Und hier etwas ausführlicher: Unser Zeitplan

 

Die Recherchephase: Mai/Juni 2018

Im Rahmen der Recherche werden Überlebende und ZeugInnen des Völkermordes aufgesucht und befragt. Dabei kooperieren wir eng mit AkteuerInnen insbesondere aus der Roma-Community, die im Rahmen von “Wiedergutmachungs”-Projekten oder karitativen Projekten Kontakt zu alten Romnija und Roma haben.

Zudem werden ExpertInnen interviewt und recherchiert, an welchen Orten von Massenmorden es Gedenkstätten gibt, bzw. wo welche fehlen. Sämtliche Interviews werden videographisch erfasst. Insgesamt geht es beim Rechercheprojekt darum, die Grundlagen für das Exkursionsprojekt zu legen.

 

Die Exkursion: August/September 2018

Nachdem die Interviews aus der Recherchephase transkribiert und (teilweise) übersetzt worden sind, werden jene InterviewpartnerInnen identifiziert, die während der Exkursion erneut besucht werden. Anfang August werden wir einen ersten Reiseplan vorlegen. Den TeilnehmerInnen werden ab 1. August Materialien zur Verfügung gestellt, um sich in das Thema einzuarbeiten (Videos, Transkripte/Übersetzungen, Artikel).

Die Exkursion selbst  beginnt am 31. August und endet am 9. September, jeweils in Kiew.

Am Anfang steht ein Workshop, bei dem sowohl die historischen Hintergründe des Völkermordes als auch die Frage eines heutigen Antiziganismus vertieft werden. Außerdem werden Grundkenntnisse in Interviewtechnik und Kamera-Handhabung vermittelt. Teil dieser Einarbeitung ist der Besuch des Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg sowie des Gedenkstättenkomplexes Babyin Yar. Ein Besuch des Roma-Theaters in Kiew ist ebenfalls geplant (abhängig vom Spielplan).

 

Die Exkursion beinhaltet Begegnungen mit Überlebenden (Roma) des Völkermordes wie auch mit ZeitzeugInnen (Nicht-Roma). Die TeilnehmerInnen sollen möglichst einige Interviews selbst führen (mit Hilfe der im Workshop zuvor vermittelten Kenntnisse). Wo vorhanden, werden Stätten von Massenmorden besucht und die Präsenz bzw. Absenz von Zeichen der Erinnerung festgestellt. Im Gespräch mit lokalen Akteuren (HistorikerInnen, MuseumsdirektorInnen, LehrerInnen) wird der regionale Verlauf des Genozids vertieft.

Den Zugang zu Roma-ZeitzeugInnen eröffnen in der Regel VertreterInnen lokaler Roma-NGOs. Mit diesen wird das Gespräch über ihre Arbeit und die Herausforderungen im Verhältnis von Roma zu Nicht-Roma erörtert. Dabei wird stets auch der Vergleich zur Situation in Deutschland gesucht.

Wo möglich, wird in den betreffenden Orten JournalistInnen angesprochen, um eine Berichterstattung anzuregen, und Begegnungen mit MuseumsleiterInnen, SchuldirektorInnen usw. angestrebt.

Die genaue Reiseroute kann endgültig erst festgelegt werden, wenn die InterviewpartnerInnen identifiziert sind. Angestrebt wird der Besuch von mindestens zwei Orten, an denen Roma erschossen wurden. Die Reiseroute wird nicht in die Krisenregionen im Donbass führen.

 

Auswertung/Ergebnisse: Ausstellungen und Videos (bis Sommer 2019)

 

Bis Ende Dezember 2018 soll die Auswertung der Exkursion abgeschlossen sein. Dazu gehören die Transkription und (wenigstens partielle) Übersetzung der Interviews sowie der Schnitt der Videos. Die TeilnehmerInnen machen Vorschläge für die Gestaltung der Ausstellung und des Videomaterials. Ihre Rückmeldungen fließen in die Ergebnisse ein.

Wesentliches Ergebnis des Projektes ist eine Ausstellung, die in zwei Sprachversionen (Ukrainisch und Deutsch) sowohl ZeitzeugInnen und Überlebende vorstellt als auch historische Hintergrundinformationen thematisiert. Erstellt werden rund 20 Tafeln (Format ca. 1 x 2 Meter).

Es sind während des Projektzeitraums bis Sommer 2019 mindestens vier Ausstellungseröffnungen geplant: Eine in  Berlin, eine in Kiew, und zwei weitere in ukrainischen Ortschaften, in denen es während der deutschen Besetzung zu Massakern an Roma gekommen ist. Zu diesen Eröffnungen werden auch die ExkursionsteilnehmerInnen eingeladen.

Die Ausstellung wird auch ins Internet gestellt.

Auf einer zugehörigen Internetseite werden zudem ergänzende Informationen über die historischen Hintergründe, das Thema Antiziganismus und weitere Auszüge aus den Interviews bereitgestellt.

Ins Internet wird zudem umfangreiches Videomaterial eingestellt: Hierzu gehören Auszüge von Audio- und Videobeiträgen von den ZeitzeugInnen- und ExpertInneninterviews. Ein rund 30minütiges Video dokumentiert den wesentlichen Projektverlauf und die Projektergebnisse. Ein weiteres Video enthält eine virtuelle Führung durch die Ausstellung für all jene, die sie nicht selbst besuchen können. Schließlich wird ein Video mit einer umfangreicheren Darstellung des historischen Hintergrundes ins Netz gestellt.

Eine Begleitbroschüre dokumentiert den Projektverlauf.

Alle Formate werden in Abstimmung mit pädadogischen Fachkräften erarbeitet und auf Deutsch und Ukrainisch erstellt. MultiplikatorInnen der Bildungsarbeit sollen die Ergebnisse zur selbständigen Bildungsarbeit nutzen können. Der Projektpartner in Kiew ist im Rahmen anderer Projekte auch mit der Lehrerfortbildung betraut, so dass hier Synergieeffekte und Nachhaltigkeit erzielt werden können.

 

Perspektiven

Schon in der Projektphase sollen insbesondere in kleineren Gemeinden der Ukraine auch lokale AkteurInnen eingebunden werden (KommunalpolitikerInnen, LehrerInnen/Schulverwaltungen, Medien), die das Projekt als MultiplikatorInnen in die jeweilige Bevölkerung tragen. Hierüber wird erhofft, auch in diesen Ortschaften Interesse an der Ausstellungspräsentation zu erzeugen.

Weitere Öffentlichkeitarbeit findet durch das Angebot zur Ausleihe der Ausstellung statt. Sie soll leicht transportfähig sein und zum Selbstkostenpreis ausgeliehen werden können. Kapazitäten zur Lagerung können sowohl von den Projektorganisatoren in Berlin als auch den Partnern in Kiew bereitgestellt werden.

Die TeilnehmerInnen sollen selbst MultiplikatorInnen werden. Zum einen hoffen wir darauf, dass sie im Rahmen der Ausstellungseröffnungen die Öffentlichkeit über ihre Erfahrungen mit dem Projekt informieren und für Interviews mit Medien zur Verfügung stehen. Zum anderen werden sie ermuntert, im Rahmen ihrer NGOs, peer groups oder jedweder anderer Zusammenhänge die Ausstellung zu zeigen.

Den LehrerInnen und Schulbehörden sowie zivilgesellschaftlichen AkteurInnen, die wir im Laufe des Projektes begegnen, werden die Projektergebnisse ebenfalls präsentiert. Ihre Aufarbeitung soll den Gebrauch als Material zur (außer-)schulischen politischen Bildung ermöglichen.