Wassilij Ewdokimow, Fortsetzung

Sie wurden aber unterwegs von Deutschen oder von Polizisten erschossen. Der eine von ihnen war schwarz, die Deutschen hielten ihn für einen Juden. Sie banden seine Füße am Sattel fest und schleiften ihn durchs ganze Dorf. „Hei Juda“ riefen sie ihm [auf Deutsch, Anm. d. Ü.]

 

Die Leute aus dem Dorf erzählten uns, dass zwei unserer Leute getötet worden sind. Da nahm uns unsere Mutter, meinen älteren Bruder und mich, und ging ins Nachbardorf Tschebotowitschi, zu unserer Tante. Denn unser Vater war ja auch bei den Partisanen, meine Mutter ging ab und zu ihnen und erzählte ihnen, wo die deutschen Stützpunkte lagen. Und wenn das jemand aus dem Dorf erzählen würde, wären wir auch tot.

Eines Tages kamen die Deutschen nach Tschebotowitschi. Die Mutter rief uns zu, dass wir wegrennen sollten, Sie selbst wurde gefangen, aber wir rannten bis zu einer Scheune, in der Russen und Roma versteckt waren. In der Nacht gingen die Roma raus und holten die Leichen von zwei Männern, die die Deutschen erschossen hatten. Heimlich wurden sie nachts beerdigt.

 

Die Mutter wurde wieder freigelassen. Danach verließen wir das Dorf, und lebten in Zelten in der Nähe der Partisanen. Bevor es einen Kampf gab, warnte uns der Kommandeur, wir zogen dann dorthin, wo es ruhig war, und die Partisanen kamen nach.

 

Nach dem Krieg erfuhr mein Vater, dass die ganze Familie seiner Schwiegermutter (in Nowosybkow, in Kozhany) ermordet wurde. Die Deutschen hatten dort einen ganzen Tabor versammelt, 300 Menschen. Sie mussten Gräben ausgraben, alle wurden in einer Reihe aufgestellt, auch Kinder. Plötzlich kam der Bürgermeister vom Dorf, Kozhany heißt es, angerannt. Zu den Deutschen sagte er: „Diese Frau hier ist keine Romni. Sie ist Russin, die einen Rom geheiratet hat. Lassen Sie sie gehen.“ Sie hatte eine sehr helle Hautfarbe, und die Familie war schon lange im Dorf ansässig und genoss dort Respekt. Und so durfte sie gehen, mit ihren zwei eigenen Kindern, und sie konnte noch ihren Neffen mitnehmen. Kaum war sie ein paar Schritte vom Graben weg, fingen die Deutschen an, die anderen zu erschießen.

 

Das war bei Kozhany, in Russland. Aber auch hier bei Tschetschersk gibt es ein Massengrab. Dort erschossen die Deutschen die Roma und verscharrten sie, zum Teil noch lebend. Wir waren überall, fuhren hin, aber konnten kein Denkmal hinstellen, denn wir haben kein Geld. 50:20 Zurück zu der Kriegszeit: Haben Polizisten Roma verraten, sie ausgeliefert?