Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Archivdokumenten zufolge haben ungefähr 12.500 Roma die Verschleppung nach Transnistrien überlebt. Wenige hundert von ihnen leben heute noch. Einige von ihnen konnten wir interviewen.

Dabei sind wir uns der  Tatsache bewusst, dass die Erinnerung von ZeitzeugInnen eine historische Quelle ist, an die man sich kritisch annähern muss – genauso wie an Dokumente und Akten etwa auf der Seite der Täter. ZeitzeugInnen können sich irren, sie können Daten und Fakten verwechseln – zumal nach 70 Jahren – sie können besonders belastende Ereignisse verdrängt haben. Die Begegnung mit ihnen ist aber einzigartig, sowohl für Jugendliche wie auch für (uns) Erwachsene. Diese Erinnerungen zu dokumentieren und damit diese historische Quelle zu retten, gehört zu den wichtigsten Maßnahmen der heutigen Erinnerungsarbeit. Wir selbst können dazu im Rahmen unseres Projektes einen kleinen Beitrag dazu leisten. Die Zeit läuft davon!

In Rumänien: 

Braila (geb. 1931) und Ioan (geb. 1937) Constantibrüdern, Bukarest

  Die Brüder Braila und Ioan Constantin stammen aus der südrumänischen Stadt Alexandria. Ihre Familien gehörten zu den sesshaften Roma, wurden aber im September 1942 dennoch deportiert. Sie mussten in verschiedenen Ghettos in Transnistrien arbeiten. Zurück kamen sie als Waisen. Heute leben sie in Bukarest.

  „Wir waren ungewaschen, ohne medizinische Hilfe, ohne Seife. Der Schmutz wurde braun auf der Haut, es kamen die Läuse, und diese Läuse haben den Typhus gebracht. (…) „Ich war in der Schule in der dritten Klasse und sollte dann in die vierte gehen. Um 6 Uhr morgens sind sie in die Häuser gekommen. Die Gendarmen haben uns rausgeworfen. Nur das, was wir auf den Rücken nehmen konnten, durften wir mitnehmen.“…. mehr

Hier eine redegierte Zusammenfassung des gesamten Interviews.

Kaiser Stanescu, Ivesti, geb. 6. 1. 2921

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Hier eine redegierte Zusammenfassung des gesamten Interviews.

 

 

 

 

Protocala Stanescu, Ivesti, geb. 1936

hüttePortocala Stanescu, geb. 1936, wohnt heute in Ivesti. Sie gehört zur Zunft der Kesselschmiede, vor dem Krieg lebte ihre Familie nomadisch und zog auf der Suche nach Arbeit von Dorf zu Dorf. Sie verbrachte zwei Jahre im Ghetto Tridubi, wo sie in einer Erdhütte untergebracht war. Ihr Vater musste im Wald arbeiten.

 „Wir wohnten in Hütten unter der Erde, mit unseren Pferden. Wir haben kein Essen bekommen, und viele sind verhungert (…) Die Toten lagen am Straßenrand, so wie Steine.“… mehr

Hier eine redegierte Zusammenfassung des gesamten Interviews.

 

Bancu Elisabeta, geb. 1927. Verstorben im April 2016.

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Bancu Elisabeta lebte in Transsylvanien. Die nomadisch lebende Familie wurde 1942 deportiert.
„Wir hatten immer Hunger. Morgens, wenn wir aufwachten, waren wieder 10 andere tot. Wir hatten doch nichts zu essen. Es war kalt.(…) Wer es schaffte, hat sich die Sonnenblumen geschnappt und die Kerne gegessen. Aber wer sich erwischen ließ, ist erschossen worden.“ … mehr

Hier eine redegierte Zusammenfassung des gesamten Interviews.

 

Mihai Duda, Ramnicu Valcea geboren: 1929

Gruppe 01Sie war 13 Jahre, als sie gemeinsam mit ihren Verwandten deportiert wurde. Im Sommer 1942 wurden sie zum Aufbruch gezwungen. Als sie am Bug ankamen, fiel bereits Schnee. Vor ihrer Deportation zum Bug hat sie mit Ihrer Familie  in Zelten gelebt.  Die Familie hatte mit Schweinen gehandelt. Mihai Duda hatte 10 Geschwister.

“Also ich weiß nicht mehr, wie es am Anfang war. Mir geht es seitdem sehr schlecht. Ich habe dort viel im Wasser gestanden. Ich bin krank seitdem. Und manchmal, wenn ich so herumgehe, dann kommt mir etwas in den Kopf: es ist so etwas wie verrückt sein…- wie so ein Flash.  “Zu den Lebensbedingungen an ihrem Deportationsort sagte sie: “Wir hatten nichts gehabt. Wir hatten Krankheiten und Läuse – alles so etwas. Denn es gab auch keine Toiletten. “Zu der Ernährungslage führte Mihai Duda aus: “Man gab mir Hundefleisch zu essen. Ich habe nur ein kleines Stückchen gegessen und habe dann alles ausgekotzt.”

Mihai Lenuta geboren: 1938

Gruppe 02Als sie vier Jahre alt war, wurde sie in ein Lager am Bug deportiert. Für Mihai Lenuta hat der Krieg mit der Deportation angefangen. Sie und ihre Familie wurden gerufen und  sollten all ihre Sachen packen.

“Eigentlich haben wir nix mitgenommen. Es ging zum Bug. Und man hat uns gesagt: `Hey,  ihr bekommt dort Häuser. Ihr könnt dort bleiben’, und als wir da angekommen sind, da war dann nichts.”

Mihai Ion geboren: 1937
Gruppe 03

Seine Familie hatte Blech-  und Kupferarbeiten gemacht. Sie lebten ebenfalls nomadisch und lebten in Zelten. Er ist mit 5 Jahren nach Transnistrien gebracht worden.

“Vom Lager durften wir keinen einzigen Fuß raus setzen. Zur Not haben wir Pferde oder Hunde geschlachtet. Weil, wir hatten zwei und ein Fünftel Jahre nichts zu essen gehabt. Nichts, um es in den Mund zu stopfen( …)  … mehr.

Hristache Toma: geboren: 1927

Zeitzeuge: Hristache TomaHristache Thoma kommt aus einem Verbund sogenannter Corturari/Tiganii nomazi, die von Dorf zu Dorf zogen und in Zelten leben. Sie führten Blecharbeiten durch.

Hristache Toma wurde als 14jähriger mit seiner Familie deportiert. Über 7 Monate hat der Konvoi gebraucht, um am Bug anzukommen, in Schneestürmen starben Hunderte. Im Interview schilderte er die unmenschlichen Lebensbedingungen in Transnistrien. Die Deportierten mussten ihr ganzes Hab und Gut abgeben, in Erdhöhlen hausen und schwere Landarbeit verrichten.

„Als wir deportiert wurden, hat man uns Häuser in Russland versprochen. Und stattdessen haben sie uns in Erdlöcher gesteckt.(…) In den Planwagen war alles drin, was wir brauchten. Unsere Töpfe, der Familienschatz, alles war wir geerbt hatten. Und dann haben sie uns alles weggenommen. Die Leute, die versuchten, aus den Wagen noch etwas rauszuholen, sind erschossen worden.(…) Es gab keine Lebensmittel. Es war ein elendes Leben. Zweieinhalb Jahre Lähmung.” … mehr

Hier eine redegierte Zusammenfassung des gesamten Interviews.

In der Ukraine

Melania v. Prodan, Ukraine

VolksdeutscheFrau v. Prodan wohnt in einem Dorf in der Nähe von Beresowka. Sie ist Angehörige der deutschen Minderheit, die früher in diesem Dorf ansässig war. Beobachtungen zum Schicksal der Roma hat sie nicht gemacht. Aber sie schildert uns, wie sie 1941 eine Kolonne von Juden an ihrem Haus vorbeiziehen sah. Am Rande des Dorfes wurden sie erschossen. Vor Jahren hat sie der Gebietsverwaltung vorgeschlagen, ein Denkmal zu errichten. „Sie haben nicht einmal geantwortet“.

Nach dem Krieg wurde sie, obwohl ihr Großvater eine jüdische Frau mit ihrem kleinen Jungen gerettet hatte, für einige Jahre nach Sibirien deportiert. Nach ihrer Rückkehr musste sie sich noch lange gegen den Vorwurf, eine „Faschistin“ zu sein, wehren. Sie konnte studieren und arbeitete bis zu ihrer Rente als Feldscher (Landärztin).

„Als wir am nächsten Tag hin wollten, um den Juden das Essen zu bringen, wurden wir von anderen angehalten, die sagten: ‚Geht nicht hin. Man hat sie in der Nacht alle erschossen und verbrannt. (…) Nichts gibt es dort jetzt, weder ein Denkmal noch sonst ein Zeichen.“ …. mehr

Hier eine redegierte Zusammenfassung des gesamten Interviews.

Oma Nina, geb. 1926, am Bug

NinaOma Nina ist in einem kleinen Dorf am Bug aufgewachsen und hat viele Jahrzehnte in der Landwirtschaft gearbeitet. Die rumänischen Besatzer zwangen sie 1942, ihr Haus zu verlassen, weil darin Roma aus Rumänien einquartiert worden waren. Oma Nina schildert im Gespräch, welches Leben diese Deportierten fristen mussten.

“Die Rumänen gaben den Zigeunern nichts zu essen, sie wurden aber auch nicht zum Arbeiten gezwungen. Sie saßen im Dorf wie in einem Käfig. Im Winter tauschten sie ihre Kleidung gegen Brot und Mehl. Kleine Kinder trugen Brennmaterial aus und baten um Brot. Alle bettelten um Lebensmittel. Sie lebten vor sich hin und starben: junge, schöne Männer waren darunter…Ihre Leichen wurden ins Wasser geworfen.”… mehr

Hier eine redegierte Zusammenfassung des gesamten Interviews.