Erinnerungsprojekt: Genozid an Roma in der Ukraine 1941-1944

Zeitraum: 1. Mai 2018 – 1. September 2019

Kern des Projekts ist eine Exkursion von 10 TeilnehmerInnen, je zur Hälfte aus der Ukraine und Deutschland, im Sommer 2018 durch die Ukraine. Unter ihnen sollen gleich viele Roma wie Nicht-Roma sein. Die TeilnehmerInnen begegnen Überlebenden und ZeitzeugInnen des Genozids an Roma,´und treffen auf lokale AkteurInnen und MultiplikatorInnen, insbesondere aus der Roma-Community. Neben der Auseinandersetzung mit der Geschichte geht es um die Sensibilisierung für jegliche Diskriminierung in beiden Ländern. 

Mehr Infos und Bewerbungen zur Exkursionsteilnahme hier.

 

Das Projekt thematisiert den Genozid an Roma durch deutsche Soldaten bzw. Polizisten während des Zweiten Weltkrieges in der besetzten Ukraine. Dabei stehen zum einen Fragen nach den Motiven und den Vorgehensweisen der Täter im Vordergrund, ebenso wie Wahrnehmungen, Reaktionen und Verhaltensoptionen der Opfergruppe sowie der ortsansässigen ukrainischen (Nicht-Roma) Bevölkerung.

Sowohl in der ukrainischen als auch der deutschen Gesellschaft ist die Kenntnis vom Genozid an ukrainischen (sowjetischen) Roma kaum präsent. In Deutschland ist zwar mittlerweile die Verfolgung deutscher Sinti und Roma während des Zweiten Weltkrieges aus dem Vergessen geholt worden, aber über die Geschehnisse in der besetzten Sowjetunion ist kaum etwas bekannt. Wenn überhaupt, wird angenommen, dort seien lediglich Juden systematisch ermordet worden, Roma aber nur „zufälligerweise“. Damit fehlt in der deutschen Erinnerungskultur ein zentraler Aspekt des NS-Genozids.
In der Ukraine wirkt bis heute die sowjetische Leiterzählung weiter, die zivile Opfer meist als „friedliche sowjetische Bürger“ zusammengefasst hat, ohne auf die Besonderheiten der verschiedenen Opfergruppen einzugehen. Während, vor allem durch die Aufklärungsarbeit jüdischer Akteure, der Holocaust an Juden zwar bekannt ist, haben nur wenige Ukrainer Kenntnis davon, dass auch Angehörige der Roma-Minderheit Opfer eines Völkermordes geworden sind.

Es werden Zeitzeugeninterviews sowohl mit Roma als auch Nicht-Roma geführt, die Überlebende oder Zeugen von Erschießungen durch deutsche Soldaten waren, diesen mit knapper Not entgehen konnten oder als Hinterbliebene von Erinnerungen ihrer Eltern berichten können.

Besonderer Kern des Projekts ist die Einbeziehung von TeilnehmerInnen aus der Ukraine und Deutschland, unter denen sowohl Roma als auch Nicht-Roma sind (aus Deutschland auch  Sinti). Sie reisen zehn Tage durch die Ukraine und begegnen Überlebenden bzw. ZeitzeugInnen, aber auch WissenschaftlerInnen und zivilgesellschaftlichen AkteurInnen, die sich der Erinnerung widmen, aber auch gegen Diskriminierung kämpfen (insb. Roma-Selbstorganisationen).
Zum Thema des Projekts gehört dabei neben den historischen Informationen und den thematischen Interviews mit ZeitzeugInnen auch die Thematisierung rassistischer Diskriminierung heute, wobei sowohl die Situation in der Ukraine als auch in Deutschland und der EU reflektiert werden soll.

Unser Ziel und die angestrebten Ergebnisse: Der Völkermord an Roma in der Ukraine soll vor dem Vergessen bewahrt werden. Wir wollen die  Erinnerungen der letzten ZeitzeugInnen konservieren. Zugleich wollen wir in der deutschen und ukrainischen Gesellschaft die Sensibilität insbesondere für antiziganistische Diskriminierung fördern. Auch dabei können die Überlebenden helfen: Sie berichten nicht nur von einer Opfergeschichte, sondern auch vom Kampf gegen ihre Verfolgung.

Das Ergebnis soll in Instrumenten bestehen, mit denen sich das Projektziel erreichen lässt: In mehreren Videos über das Projekt und in einer Wanderausstellung, die kostenlos ausgeliehen werden kann. Alle Ergebnisse werden in ukrainischer und deutscher Sprache erarbeitet und auch ins Internet gestellt. Sie werden  so aufbereitet, dass sie für politische Bildung nutzbar sind.

gefördert von: