Genozide an Roma

Rumänien, Ukraine, Belarus: Zeitzeugenbefragungen, Ausstellungen, Videos, Bildungsreisen

 

Während der Völkermord an deutschen Sinti und Roma während der Nazi-Herrschaft heute – nach jahrzehntelangem Verdrängen – mehr oder weniger gut aufgearbeitet ist, ist fast nichts darüber bekannt, dass auch in den von Deutschland besetzten Gebieten Roma systematisch ermordet worden sind.  Die deutschen Besatzer töteten nomadisierende Roma ebenso wie sesshafte. Sie bedienten sich offizieller Meldelisten ebenso wie örtlicher Kollaborateure. Deutschlands Bündnispartner Rumänien beteiligte sich an diesem Völkermord durch die Deportation von rund 25.000 Roma ins rumänische Besatzungsgebiet (Transnistrien) des Gebietes Odessa.

Seit 2015 widmet sich das Bildungswerk für Friedensarbeit der Aufgabe, diese Völkermorde gemeinsam mit den Überlebenden bzw. ihren Angehörigen in das Bewusstsein der Mehrheitsgesellschaft zu bringen. Wir befragen ZeitzeugInnen und ExpertInnen und besichtigen die Tatorte. Wir erfahren viel über das Leid der Überlebenden, aber auch über Widerstand und Solidarität. Wir organisieren Bildungsreisen für Jugendliche bzw. Menschen, die in NGOs aktiv sind, jeweils aus Deutschland und den Partnerländern, darunter Roma und Nicht-Roma. Wir erarbeiten Ausstellungen  und Videos zu diesen Projekten.

2017 haben wir das Projekt zu Rumänien (“Transnistrien”) abgeschlossen, die Ergebnisse finden sich auf dieser Homepage.

2019/2020 schließen wir ein Projekt zum Genozid im deutsch besetzten Teil der Ukraine ab. Dort , und parallel in Rumänien, werden außerdem die Nachfahren der unmittelbar Verfolgten (zweite und dritte Generation) eingebunden. Es geht darum, die Erinnerung aus dem familiären Kreis in die Gesellschaft zu tragen. Kinder und Enkel der verfolgten Roma sollen über das Schicksal der Roma selbst sprechen.

Im Rahmen dieses Projektes werden zwischen September 2019 und Juni 2020 in der Ukraine und in Rumänien sowie in Deutschland zahlreiche Ausstellungseröffnungen stattfinden, an denen die Angehörigen teilnehmen.

Außerdem schließen wir derzeit die Vorarbeiten für das kommende Projekt in Belarus ab, wo wir gemeinsam mit der Belorussischen Roma-Diaspora und der Geschichtswerkstatt Leonid Lewin wiederum ZeitzeugInnen befragen werden, um eine Bildungsreise durchzuführen und eine Ausstellung zu erarbeiten.

Das Bewusstmachen des Genozids an Roma, aber auch der Tatsache, dass viele Roma sich Seite an Seite mit Nicht-Roma gegen die deutschen Besatzer und den Völkermord gewehrt haben, in Partisanenverbänden, regulären Streitkräften oder im Untergrund, verstehen wir zum einen als Bringschuld aus Deutschland, zum anderen als Beitrag zum Kampf gegen immer noch virulente antiziganistische Diskriminierung.